18 October 2026

Kolumne 14# – Polarität oder Dualität …


Na was denn jetzt?


Wir laufen durch den Regen, es ist kühl und nass geworden … nicht so mein Lieblingsding. Aber was soll's, frische Luft tut gut und Milou ist in sein Regenmäntelchen eingepackt, was so süss aussieht.

Während wir also unsere Herbstgarderobe draussen an uns herumtragen, fällt mir ein, dass ich das Thema Polarität und/oder Dualität schon lange einmal unter die Lupe nehmen wollte. Was ist denn nun der genaue Unterschied?

Ich habe schon so manchen mehr oder weniger fachlichen Bericht gelesen und da strahlen einen über den Bildschirm so manche widersprüchlichen Informationen an. Was für den einen dual ist, erscheint dem anderen polar und umgekehrt.

Eigentlich wollte ich nur wissen, ob ich mich aktuell auf dem Planeten der Dualität oder Polarität befinde. Und schon ist es passiert … mir schiessen Fragen über Fragen durch den Kopf:

1.   «Sind zwei Dinge gegensätzlich, weil sie es tatsächlich sind, oder weil unser Bewusstsein sie als Gegensätze einordnet?»

2.   «Und wenn mein Bewusstsein sie als gegensätzlich einordnet, wer oder was hat es mir dann beigebracht?»

3.   «Und wenn zwei Menschen unterschiedlicher Meinung sind, befinden sie sich dann in einer flexiblen Form von Dualität oder betrachten sie dieselbe Wirklichkeit aus unterschiedlichen Blickwinkeln und erleben einen polaren Moment?»

Oje, da habe ich mich wohl verrannt … 😉


Wir sind wieder zu Hause. Ich setze mich sofort an den Laptop und suche wie immer nach der Wurzel dieser Wahrnehmung. Was mir Google und die KI dazu liefern, sieht auf den ersten Blick recht einleuchtend aus:

Polarität: Beziehung zwischen zwei Polen oder gegensätzlichen Ausprägungen. Alles Gegensätzliche ergänzt sich zwangsläufig.

Dualität: Zweiheit; je nach Kontext auch Gegenüberstellung zweier Prinzipien. Dualität bedeutet immer Trennung, Kampf oder Bewertung.

Dualismus: Philosophische Auffassung zweier grundlegender Prinzipien oder Wirklichkeitsbereiche. Wird oft mit Dualität gleichgesetzt.

Und was erzählt uns Wicky? Der Hauptunterschied liegt darin, wie Gegensätze betrachtet werden: Dualität trennt Gegensätze strikt voneinander, während Polarität sie als zusammengehörige Teile eines gemeinsamen Ganzen begreift.


Aha …


Mein Verständnis ist jetzt, dass alles Gegensätzliche, was im Kern zusammengehört, Polarität ist. Hierzu gehören als naheliegende Beispiele Nordpol und Südpol, Frau und Mann, Tag und Nacht, Regen und Sonne … (? Muss ich noch einmal überdenken.)

Anders die Dualität. Sie ist also erlernt und betrifft in erster Linie Meinungen, Auffassungen oder Handlungen. Im Kern handelt es sich also um ein Wertesystem … Oder doch nicht?


Ich bin unsicher und rufe einen Freund an. Folgende sehr interessante Antwort habe ich erhalten:

Das ist keine allgemeingültige Definition von Dualität. Dualität bedeutet zunächst Zweiheit. Sie ist nicht zwangsläufig erlernt und nicht automatisch ein Wertesystem.

Was du beschreibst, ist eher die menschliche Neigung, Unterschiede zu bewerten und daraus Gegensätze zu machen.


Bingo* endlich habe ich das fehlende Glied gefunden.


Es ist also nicht die Dualität an sich, sondern das, was wir Menschen aus dieser Zweiheit machen. Wir werten, urteilen und vergessen dabei ganz, darüber nachzudenken, woher etwas kommt oder wozu es dienen könnte. Aus zwei unterschiedlichen Sichtweisen werden plötzlich Gegensätze, aus Gegensätzen Überzeugungen und aus Überzeugungen nicht selten unumstössliche Wahrheiten.

(Wie sehr unser Weltbild unsere Wahrnehmung beeinflusst, hat mich übrigens schon in
meiner Kolumne #10 «Die Krux mit dem Weltbild» beschäftigt.)

Und schon sind wir mittendrin in unserem selbst geschaffenen Durcheinander. Was verursacht eigentlich diese chronische Bewertung? Ist es der Mensch an sich, ist es mentalitätsbezogen? Warum fällt es uns so schwer, etwas in seiner Zweiheit zu betrachten und darüber nachzudenken, was es in genau dieser Form Gutes oder Lehrreiches mit sich bringt?


Bleibt für mich die letzte Frage, die ich selbst gestellt habe … Wie ihr wisst, arbeite ich mit Messmethoden. Es wird gemessen, es wird mit unserer Energie und unserem Bewusstsein gearbeitet und dann wird wieder gemessen. Und wisst ihr, was ich dabei festgestellt habe? In meiner Arbeit zeigt sich ein Entwicklungs-sprung dann, wenn wir unsere inneren Wertungen, Widerstände und Blockaden erkennen, verändern und ausleiten. Denn solange ich werte, bin ich im Widerstand und verliere nach meinem energetischen Erleben das Wichtigste, die Lebensenergie. Nicht die ‘Zweiheit’ gilt es zu verlassen, sondern das, was wir aus ihr gemacht haben.


Und damit komme ich zu einer Frage, die mich wirklich beschäftigt. Wann haben wir eigentlich aufgehört, unterschiedliche Sichtweisen als Chance zu betrachten? Zwei Menschen, zwei Erfahrungen, zwei Blickwinkel. Das könnte doch eine wunderbare Grundlage sein, um miteinander zu diskutieren, voneinander zu lernen und neue Wege zu entdecken. Wir müssten nicht einmal einer Meinung sein!

Stattdessen machen wir aus anderen Sichtweisen Feindbilder. Und schauen wir uns doch einmal an, wohin uns das im schlimmsten Fall führt. Bis hin zu Kriegen, in denen Menschen ihre Überzeugungen mit Gewalt durchsetzen wollen. Das ist furchtbar und gerade in unserer heutigen Zeit sollten wir uns ernsthaft fragen, wie solche Überzeugungen überhaupt entstehen.

Denn bevor ich eine andere Meinung bekämpfe, müsste ich doch zuerst einmal wissen, woher meine eigene kommt.


Ist das tatsächlich meine Wertung? Oder habe ich sie irgendwann von jemandem übernommen und halte sie inzwischen für meine eigene Wahrheit?

Diese Frage kann uns niemand abnehmen und muss von jedem für sich selbst beantwortet werden.



Von Herzen eure Zürcher Stadtdruidin

Bewusstsein bringt Energie in Fluss.

Kolumne #14 – Oktober 2026


© Chantal Donia Houcke | chantal-donia.ch