ODER WIE SICHTWEISEN ALLES VERÄNDERN
Wieder am Spazieren … ich schwöre, ich mache auch anderes … 😉 Frische Luft und Bäume regen die Denkleistung an. Milou läuft vor, schnuppert hier und pieselt dort.
Sätze und Wortfetzen ziehen wie Karawanen durch meinen Kopf. So vieles ist gerade dabei, sich zu verändern und das alles in einem unglaublichen Tempo. Vieles möchte ich nicht, einiges finde ich gut …
Aber ist deswegen alles «SUPI» oder ganz «furchtbar und übel» …? Nein, ich denke nicht. Ich bin gesund, habe zu essen und ein Dach über dem Kopf. Ich bin zufrieden … und was ist mit diesem «zufrieden»? Reicht es aus für die aktuellen Anforderungen, die an uns gestellt werden …?
Es gibt wohl nichts Spannenderes, als drei verschiedenen Menschen dieselbe Frage zu stellen:
«Wie sieht aktuell dein Weltbild aus?»
Meine Wahrnehmung ist: Diese Frage ist jetzt ein sogenanntes «BADABOOM». Da fliegt einem plötzlich und unerwartet ALLES um die Ohren.
Nun gut, Sichtweisen sind immer legitim und bereichern uns am Ende alle. Viel faszinierender ist, wie solche Weltbilder es schaffen, bestimmte Informationen total auszublenden und anderes als alleinherrschend in die Höhe zu heben.
Noch viel wichtiger erscheint mir in meiner täglichen Arbeit mit Menschen, wie wir diese Weltbilder verändern können. Und wenn ja, in wie viele …? Dies wird wohl jedem selbst überlassen bleiben und das ist auch gut so.
Weltbilder, Weltbilder, Weltbilder … ich philosophiere vor mich hin.
Ist es nicht das Anhaften am Alten, das verhindert, dass ich Neues in mir aufnehmen kann? Selbst wenn ich gute Fortschritte in einer Behandlung mache und immer schön an mir arbeite, sind es dann nicht sehr oft die alten Weltbilder, die wie ein Muskel mit Kater alles wieder zurück ins Alte schieben?
Sie sind wie der Kaugummi am Schuh. Wenn ich laufe, spüre ich immer dieses Klebenbleiben.
Wie lange habe ich mich selbst blockiert, bis ich festgestellt habe: «Aha, die neue Sichtweise, die neue Idee funktioniert viel besser!»
Was es wohl benötigt hätte, wäre eine Art Türöffner, der es erlaubt, dem Neuen überhaupt Einlass zu gewähren. Wirklich spannend ist jetzt, wie dieser Türöffner sich gestaltet und was er erreichen kann.
Klar ist, die neue Information sollte erst ins Bewusstsein gebracht werden. Dann kann ich entscheiden, ob ich sie annehmen kann oder eben nicht.
Denn Bewusstsein bedeutet nicht, alles Neue anzunehmen. Bewusstsein bedeutet, überhaupt wieder wählen zu können.
Die Freiheit der Wahl und der Entscheidung ist eine grundlegende Basis unserer Existenz auf dieser Welt. Und jetzt die ausschlaggebende Frage:
Nehme ich diese Freiheit überhaupt in Anspruch?
Wie oft habe ich mich selbst dabei ertappt, ein Verhalten oder eine Denkstruktur damit zu begründen, dass ich dies oder jenes in meiner Kindheit oder Jugend erlebt habe? Wie oft bin ich den komplizierteren, mühseligeren Weg gegangen, weil ich dies oder jenes gehört oder gesehen und es für wahr gehalten habe?
Neue Situationen und eine neue Zeit fordern uns täglich heraus, alles zu hinterfragen, genau zu betrachten und neu zu bewerten. Hat dies jetzt noch seinen Platz in meinem Leben oder nicht …?
Es ist der Tag der Philosophie. Ich betrachte all die Schulen und Ausbildungsstätten, in denen ich war, im Inland und im Ausland. Viele verschiedene Ausbildungen: Hotelfachschule, medizinische Basis, Ausbilderin, Qigong und es nimmt kein Ende.
Und plötzlich stelle ich mir eine interessante Frage:
Wann oder wo habe ich eigentlich kritisches, hinterfragendes Denken gelernt?
Ich finde aktuell keine Antwort darauf, weil mir schlicht nichts dazu einfällt. Ich habe in vielen Schulen gelernt, was ich wissen soll. Aber wo habe ich gelernt, das Gelernte infrage zu stellen?
Habe ich mir dies irgendwann selbst bewusst gemacht und angefangen, alles zu hinterfragen? Nichts einfach als gegeben hinzunehmen und erst für mich zu prüfen, ob es so passt? Manchmal zum Leidwesen von Lehrern und Mitschülern.
Wie kam ich also dazu, mein Weltbild beweglich und durchlässig zu halten? Weil ich irgendwann gemerkt habe, dass es weniger Energie kostet. Kein Kampf, keine Widerstände. Hinsehen und bearbeiten.
Zuhören verpflichtet nicht, die Ideen anderer zu übernehmen. Ich kann sie respektieren und ihnen einen Platz zugestehen, ohne dass sie zu meinen werden. Deine Wirklichkeit darf existieren, ohne meine zu werden. Das entscheide ich.
Könnte es sein, dass uns gar nicht das Neue so viel Energie kostet? Sondern der Versuch, das Alte aufrechtzuerhalten, obwohl es längst nicht mehr zu unserer Wirklichkeit passt?
Wenn wir unser Weltbild beweglich halten, müssen wir nicht alles glauben. Wir müssen auch nicht allem zustimmen. Aber wir können hinschauen, prüfen und dann selbst entscheiden.
Denn Bewusstsein bringt Energie in fluss.
Von meinem Herzen zu eurem
Impulse der Stadtdruidin
Kolumne #9 - August 2026
© Chantal Donia Houcke | chantal-donia.ch