26 October 2026

Kolumne 15# – Eine weitere Etappe


Oder eine Lehrstunde des Energieverbrauchs


Die Messe ist vorbei, wir haben alles eingepackt und sind auf der Rückreise. Es regnet, die Strassen sind nass und glänzen rot von den Rücklichtern.

Nichts Unangenehmes für mich. Wenn man im Circus aufwächst, ist man immer wieder nachts unterwegs, von einer Stadt in die nächste. Ein bisschen «Back to the roots», dieses Auftreten und dann Weiterfahren. Motorengeräusche unter sich, unterwegs …

Der Vortrag lief besser als erwartet. Es kamen aufgeweckte und interessierte Zuhörer, die sich mit der Materie befassen wollten.

Meine Gedanken wandern … Was oder wo ist die Essenz dieser Tage?

War es der Vortrag? Waren es die Gespräche? Die vielen neuen Menschen, Aussteller, Organisatoren, Interessierte und Uninteressierte? Es gibt tatsächlich Menschen, die zu einem an den Stand kommen, um mitzuteilen, dass sie NICHT interessiert sind. Halleluja! Oder danke für die Information …? Ich weiss nicht so recht.


Nein, da liegt etwas viel Tieferes. Etwas, das uns alle betraf. Besucher wie auch Aussteller.

Der Umgang mit unserer Lebensenergie.


Ich hatte das grosse Glück, von meiner Freundin Ada und meinem Partner begleitet zu werden. Ada kam extra aus Spanien, um diese Erfahrung mit uns zu teilen.

Menschenströme kommen und gehen. Man hört Trommeln und Tsching-Tsching, ist umgeben von Düften, den schönsten Kristallen, die man sich vorstellen kann, und unzähligen Produkten für Gesundheit und Wohlbefinden.

Und doch bricht im Laufe des Tages die Energie immer wieder weg. Momente der Kraftlosigkeit, manchmal ganz plötzlich. Es begegnen mir Menschen, die das Gespräch suchen, aufgeregt sind, verwirrt wirken und irgendwie den Boden unter den Füssen verloren zu haben scheinen. Sie scheinen denselben Sog zu spüren wie ich, nur ohne den Rückweg zu kennen.

Da fallen mir Kaufhausbesuche ein, die ich früher gemacht habe, um meine Erledigungen zu machen. Kennst du das auch …? Man war eine halbe Stunde in diesen riesigen Gebäuden und kam fix und fertig wieder heraus. Erst mal einen Café und hinsetzen … uff*


Gut, ich habe mittlerweile gelernt, die Integrität meiner eigenen Energie zu wahren oder sie zumindest gleich wieder aufzubauen.

Bei sich bleiben ist die Devise.


Aber wie bleibt man bei sich in einer Umgebung, die zu hundert Prozent darauf ausgerichtet ist, unsere Aufmerksamkeit nach aussen zu lenken? Hinzu kommen Menschen, die selbst erschöpft sind und nach meinem energetischen Verständnis unbewusst versuchen, bei anderen Energie zu holen.

Manchmal durch Gespräche, manchmal einfach durch die Begegnung. Bei sich zu bleiben geht. Es braucht Übung und Technik, aber es geht. Abgrenzung nützt hier nichts, denn keinen interessiert es. Und Mauern helfen nicht unbedingt beim Verkaufen.


Wenn ich mir diese Szenen noch einmal betrachte, stellen sich mir zwei Fragen:

Sind es die Menschen oder sind es die Gebäude? Oder am Ende gar eine Mischung aus beidem?


Bei sich bleiben, in sich ruhen … mitten in einem grossen Gebäude voller Menschen. Menschen, die alle etwas begehren. Ein Produkt, eine Dienstleistung, eine Erfahrung, Aufmerksamkeit oder einfach ein

gutes Gespräch.

…

Ich suche nach dem fehlenden Teil. Was geschieht eigentlich in diesem Moment? Ich versetze mich noch einmal in die Situation:

Mein Begehren ist geweckt. Ich betrete einen Ort, an dem alles wunderbar präsentiert und ausgestellt ist. Nette Menschen laden mich ein, stehen zu bleiben, etwas auszuprobieren oder mir etwas erklären zu lassen. Meine Aufmerksamkeit wandert von einem Angebot zum nächsten …

Und während der eine ausprobiert und der andere etwas kauft, bleiben die Gedanken irgendwo hängen. Hätte ich es doch nehmen sollen? Oder gleich zwei? Das war aber eine nette Person! Ein interessantes Gespräch …

Und schon sind wir überall, nur nicht mehr bei uns. Könnte es sein, dass weder der Besucher noch der Aussteller in solchen Momenten die Integrität seiner eigenen Energie wirklich wahrnimmt?

Und dann kommt noch die Umgebung hinzu. Ein grosses, geschlossenes Gebäude. Wenig frische Luft, keine Sonne, kein Baum, nichts, was uns für einen Moment wieder mit der Natur verbindet. Stattdessen Geräusche, Düfte, Gespräche, Angebote und immer neue Eindrücke.

Wir bleiben in diesem beinahe berauschenden Zustand, stolpern weiter zum nächsten Stand, führen das nächste Gespräch und werden zunehmend müde. Ohne genau zu verstehen, weshalb.

In meiner energetischen Wahrnehmung geschieht dabei noch etwas anderes: Wir richten uns so stark nach aussen, dass wir die Verbindung zu unserer eigenen Lebensenergie verlieren können. Und wenn wir selbst nicht mehr genügend davon wahrnehmen, beginnen wir nach meinem Verständnis unbewusst, sie im Aussen zu suchen.

So entsteht ein Austausch, den die Beteiligten häufig gar nicht bemerken. Aha … ich glaube, jetzt habe ich den Dreh draussen! *tsching*


Es ist nicht nur das Gebäude. Nicht nur die Menschen. Nicht nur das, was angeboten wird:

Es ist auch das, was mit unserer Aufmerksamkeit und unserer Verbindung zu uns selbst geschieht.


Und plötzlich nehmen wir Dinge wahr, die vorher gar nicht da waren. Der Hals kratzt, die Augen flimmern, eine unerklärliche Müdigkeit stellt sich ein. Oder wir empfinden etwas, das sich überhaupt nicht nach uns selbst anfühlt. Natürlich können solche körperlichen Reaktionen auch ganz gewöhnliche Ursachen haben. Doch in meiner Arbeit interessiert mich zusätzlich eine andere Frage:

Gehört das, was ich gerade wahrnehme, tatsächlich zu mir?


Muss ich es mit mir herumtragen? Muss ich mich mühsam davon erholen, nur weil ich davon ausgehe, dass alles, was ich empfinde, zwangsläufig meines sein muss? Oder wäre es nicht sinnvoller, zuerst einmal bewusst wahrzunehmen, was gerade mit mir geschieht?

Denn eines ist mir während dieser Messetage besonders deutlich geworden. Wir beschäftigen uns unglaublich viel mit dem, was um uns herum geschieht. Was wir sehen, hören, kaufen, erleben oder von anderen Menschen erfahren. Aber wie oft nehmen wir uns mitten in diesem Geschehen selbst wahr?


Und damit bleibt für mich am Ende dieser Etappe eine Frage offen:

Wie viel von unserer Lebensenergie verlieren wir, weil wir ständig im Aussen unterwegs sind und gar nicht mehr bemerken, wann wir uns selbst verlassen?

Und vor allem: Wann sind wir bereit, das zu ändern?


Von Herzen eure Zürcher Stadtdruidin

Bewusstsein bringt Energie in Fluss.


Kolumne #15 – Oktober 2026

© Chantal Donia Houcke | chantal-donia.ch