ODER ALS DER MENSCH SICH SELBST AUS DEN aUGEN VERLOR.
Es ist Sonntagmorgen. Ein blauer Himmel lädt mich heute ein, frische Luft einzuatmen. Es ist kalt geworden und ich ziehe mir rasch meinen Wintermantel an.
Wir laufen in den Park, wo eine Vielzahl beeindruckender Farben uns erwartet. Der Wind ist stark heute und ich sehe, wie er die goldgelben Blätter wie Tänzer durch die Luft wirbelt. Und da! Es mischen sich die helikopterartigen Samen des Ahorns darunter. Es ist ein bezaubernder Anblick. Der Wind ist so stark, dass er das ganze Ballett den Hang hinaufweht, und sie tanzen …
Ich reisse mich aus meinen Gedanken, drehe mich um und … ups, Milou ist weg … oje, wo ist er? Da sehe ich ihn. Er trabt verunsichert den Weg zurück, den wir schon gegangen sind. Da ihm ein kleiner Schlaganfall vor zwei Jahren sukzessive das Hören und den unteren Bereich seines Sichtfeldes genommen hat, macht es keinen Sinn, ihn zu rufen. Eine sportliche Einlage meinerseits ist jetzt gefragt, um ihn wieder einzuholen …
… gesagt, getan … ppuuhhh … und wir freuen uns.
Mein Körper und mein Geist sind nun genügend durchblutet, um mir auch andere Gedanken zu machen. Hmmm … da war doch etwas, das mir gestern nicht aus dem Kopf ging. Was war das noch?
Ach ja! Diese Zahlen!
Ich hatte mich wieder einmal mit Untersuchungen beschäftigt, die zeigen, was die Menschen heutzutage belastet. Einige Ergebnisse haben mich doch frappiert.
Die American Psychological Association, der amerikanische Berufsverband der Psychologinnen und Psychologen, hat im Oktober 2026 ihre aktuelle Untersuchung Stress in America veröffentlicht. Dafür wurden 3'132 Erwachsene in den USA befragt.
77 Prozent bezeichneten die Lebenshaltungskosten als bedeutende Stressquelle. 71 Prozent nannten Geldsorgen, und 74 Prozent belastete die Zukunft ihres Landes erheblich. Nun gut, dass Geldsorgen und politische Unsicherheit Stress verursachen, überrascht mich nicht besonders. Dafür muss man weder Therapeutin noch Druidin sein. Aber jetzt wird es interessant.
47 Prozent der Befragten hatten sich im vergangenen Jahr aufgrund von Stress, Unsicherheit oder Überforderung aus mindestens einem Bereich des gesellschaftlichen Lebens zurückgezogen. 51 Prozent fühlten sich emotional zu erschöpft, um sich weiterhin mit allem zu beschäftigen, was in der Welt geschieht. Und 28 Prozent hatten das Gefühl, wenig bis gar keinen Einfluss auf ihre eigene Zukunft zu haben.
Pardon was …?
Wir sprechen ständig von Freiheit, Selbstbestimmung und unbegrenzten Möglichkeiten. Gleichzeitig fühlt sich mehr als jeder vierte Befragte kaum noch in der Lage, seine eigene Zukunft zu beeinflussen?
Auch die Untersuchung der APA aus dem Vorjahr hatte es in sich. 62 Prozent bezeichneten die gesellschaftliche Spaltung als bedeutende Stressquelle. 54 Prozent fühlten sich zumindest zeitweise isoliert, 50 Prozent ausgeschlossen und ebenso viele vermissten Gesellschaft.
Wir sind miteinander vernetzt wie nie zuvor und fühlen uns trotzdem einsam? Halleluja! Da haben wir offenbar etwas ganz Besonderes zustande gebracht. Und es handelt sich keineswegs nur um amerikanische Beobachtungen.
Das internationale Forschungsinstitut Gallup untersucht seit rund zwanzig Jahren, wie Menschen weltweit ihren Alltag emotional erleben. Die Ergebnisse für 2025 zeigen, dass 38 Prozent der befragten Erwachsenen am Vortag über längere Zeit Sorgen empfunden hatten, 36 Prozent Stress und 26 Prozent Traurigkeit.
Die negativen emotionalen Erfahrungen liegen damit weiterhin deutlich über den Werten, die Gallup vor rund zwanzig Jahren ermittelte. Natürlich beziehen sich diese Untersuchungen auf unterschiedliche Bevölkerungen und Fragestellungen. Bei direkter Übertragung solcher Zahlen auf Europa und/oder die Schweiz ist natürlich Vorsicht geboten. Sie erklären uns keine Lebensumstände oder weshalb die Menschen sich so fühlen. Aber sie zeigen etwas, das mich beschäftigt.
Wir entwickeln unsere technischen Möglichkeiten immer weiter. Doch entwickeln wir unser Bewusstsein im gleichen Tempo mit?
Wir wissen, was irgendwo auf der anderen Seite des Planeten geschieht, aber häufig nicht mehr, was gerade in uns selbst vorgeht. Wir kennen die Meinungen unzähliger Menschen, doch wie sicher sind wir uns eigentlich unserer eigenen? Wir verlangen Verständnis, sind aber kaum bereit, unsere eigenen Überzeugungen zu hinterfragen.
Und während wir versuchen, unser Leben immer besser zu organisieren, scheint uns ausgerechnet der Mensch, um den es dabei gehen sollte, zunehmend abhandenzukommen. Wir selbst …
Ich musste an die vielen Menschen denken, die ich seit 1999 in meiner Praxis begleite. Unterschiedliche Lebensgeschichten, unterschiedliche Herausforderungen, unterschiedliche Vorstellungen vom Leben. Und doch begegnen mir bestimmte Muster immer wieder. Das Bedürfnis nach Anerkennung. Die Angst, nicht zu genügen. Die Überzeugung, etwas tun oder sein zu müssen, um geliebt zu werden.
Das Festhalten an alten Verletzungen. Der Wunsch, andere Menschen zu verändern. Die Schwierigkeit, eine andere Meinung stehen zu lassen. Und immer wieder der Verlust der Verbindung zu sich selbst. Da stellte sich mir eine Frage.
Haben wir tatsächlich immer neue Probleme? Oder begegnen wir seit Generationen denselben grundlegenden Schwierigkeiten, die lediglich ihre Kleidung der jeweiligen Zeit anpassen?
Früher war es der Dorfklatsch, heute sind es die sozialen Medien. Früher bestimmte die Familie, was sich gehörte, heute übernehmen gesellschaftliche Erwartungen und digitale Meinungswelten einen Teil dieser Aufgabe. Die Bühne verändert sich, die Schauspieler wechseln. Spielen wir am Ende immer wieder dasselbe Stück?
Nun gut, ich habe also versucht, meine Beobachtungen aus der Praxis, meine energetische Arbeit und die Fragen, die mich seit Jahren begleiten, einmal zusammenzuführen. Und daraus entstand meine eigene Betrachtung.
Die sieben Plagen des modernen Bewusstseins.
Keine Heuschrecken, keine Finsternis und auch kein Wasser, das sich in Blut verwandelt. Dafür sieben grundlegende Verschiebungen, die uns im Alltag begegnen und unser Denken, Fühlen und Handeln beeinflussen können.
Und was irritiert daran? Wir sind ihnen nicht einfach ausgeliefert. Häufig tragen wir selbst dazu bei, dass sie bestehen bleiben. Also lasst sie uns unter die Lupe nehmen.
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Die erste Plage – Die verlorene Verbindung
Wir sind überall, nur nicht mehr bei uns.
Wir sind mit unserer Aufmerksamkeit ständig im Aussen. Bei der Arbeit, den Nachrichten, den Erwartungen anderer, unseren Verpflichtungen und all den Dingen, die wir noch erledigen sollten.
Unser Körper funktioniert, während unsere Gedanken längst drei Termine weiter sind. Wir essen und lesen gleichzeitig Nachrichten. Wir sprechen mit jemandem und überlegen bereits, was wir anschliessend antworten möchten. Da werde ich schon beim Lesen müde ...
In meiner energetischen Arbeit beschäftige ich mich deshalb mit einer ganz einfachen Frage: Bin ich überhaupt bei mir?
Bin ich bewusst in meinem Körper? Nehme ich meine Gefühle wahr? Habe ich eine Verbindung zu meinem Herzen, zu meiner eigenen Mitte? Nach meinem energetischen Verständnis kann der Mensch, wenn er die Verbindung zu seiner eigenen Lebensenergie verliert, unbewusst beginnen, Energie im Aussen zu suchen. Auch bei anderen Menschen. Dabei können zwei Menschen in einen Austausch geraten, den keiner von beiden bewusst wahrnimmt. Der eine sucht Energie, der andere stellt sie unbewusst zur Verfügung. So werden beide zu einem Teil dieses Kreislaufs, dem wir uns überhaupt nicht bewusst sind.
Wie wollen wir unser Leben bewusst gestalten, wenn wir ständig den Autopiloten einschalten?
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Die zweite Plage – Die Herrschaft der Bedürfnisse
Aus einem Wunsch wird eine Abhängigkeit.
Wir alle haben Hunger, den Wunsch nach Ruhe und Sicherheit und gerne menschliche Nähe. Das ist ein Teil von uns. Doch in meiner Arbeit unterscheide ich zwischen dem was der Mensch braucht und dem Zustand, in dem wir unsere innere Zufriedenheit von seiner Erfüllung durch andere abhängig machen.
Ich möchte geliebt werden. Ich brauche Anerkennung. Ich möchte verstanden werden. Ich brauche jemanden, der mir bestätigt, dass ich richtig liege. Und wehe, jemand erfüllt diese Erwartungen nicht! Dann sind wir enttäuscht, verletzt oder wütend. Und schon beginnt die Suche nach dem Schuldigen. Interessant dabei ist, wie schnell aus einem Bedürfnis ein Anspruch werden kann.
Wir möchten, dass andere Menschen uns geben, was wir selbst in uns nicht finden.
In meinen Akademie-Unterlagen verbinde ich diese Form der Bedürftigkeit mit der Opferrolle des Drama-Dreiecks. Nicht weil jeder Mensch, der Unterstützung braucht, ein Opfermuster lebt. Sondern weil die Überzeugung, dass ein anderer für unser inneres Gleichgewicht zuständig sei, uns in Abhängigkeit halten kann. Ergebnis ist, dass wir uns wundern, weshalb sich bestimmte Geschichten immer wiederholen.
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Die dritte Plage – Das Gefängnis der mentalen Konzepte
Wir halten das, was wir gelernt haben, für das, was wahr ist.
Was ist richtig? Was ist falsch? Wie hat ein guter Mensch zu sein? Was bedeutet Erfolg? Wie muss eine Beziehung aussehen? Auf vieles davon haben wir erstaunlich schnelle Antworten. Aber woher stammen sie?
Aus unserer eigenen Erfahrung? Aus bewusster Überprüfung? Oder haben wir sie irgendwann übernommen, weil unsere Eltern, Lehrer, Freunde, gesellschaftlichen Gruppen oder bevorzugten Informationsquellen sie für richtig hielten?
Mentale Konzepte helfen uns, die Welt zu ordnen. Doch wenn wir sie nicht mehr hinterfragen, werden sie zu unsichtbaren Grenzen. Wir verteidigen Vorstellungen, deren Ursprung wir häufig gar nicht kennen.
Und manchmal erklären wir anderen sogar mit grosser Überzeugung, wie sie ihr Leben zu führen hätten. In meinem erweiterten Drama-Dreieck sehe ich hier eine Verbindung zur Helfer- beziehungsweise Retterrolle. «Ich weiss, was gut für dich ist.» … so so. Und wer hat eigentlich entschieden, dass du das weisst?
Nicht jede Überzeugung, die wir besitzen, ist auch wirklich unsere eigene.
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Die vierte Plage – Die Herrschaft des Ego
Wenn eine Meinung wichtiger wird als die Wahrheit.
Nun wird es etwas ungemütlich. Denn unser Ego möchte nicht unbedingt verstehen. Es möchte häufig recht behalten, anerkannt werden und sein Selbstbild bewahren.
Jemand widerspricht uns, und schon fühlen wir uns angegriffen. Jemand kritisiert unsere Meinung, und plötzlich geht es nicht mehr um das Thema, sondern um unsere Person. Wir hören nicht mehr zu, um zu verstehen. Wir hören zu, um zu antworten. Und wenn die Argumente ausgehen, wird es persönlich.
Das lässt sich wunderbar in gesellschaftlichen Diskussionen beobachten. Aus unterschiedlichen Sichtweisen werden gegnerische Lager. Aus einem Gespräch wird ein Wettbewerb. Und aus dem Wunsch nach Verständigung ein Kampf um die eigene Überlegenheit.
In meiner Arbeit ordne ich solche Muster dem Ego und der ICH-Haftigkeit zu. Im Drama-Dreieck finden wir sie häufig in der Täter-oder Verfolgerrolle wieder.
Wir verlangen Verständnis, sind aber kaum bereit, unsere eigenen Überzeugungen zu hinterfragen.
Es ist nicht problematisch eine Meinung zu haben. Das Problem entsteht dort, wo wir uns mit ihr so sehr identifizieren, dass wir sie nicht mehr überprüfen.
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Die fünfte Plage – Die Flucht vor der Selbstverantwortung
Die anderen müssten sich ändern. Dann wäre mein Leben endlich besser.
Diesen Gedanken kennen wir vermutlich alle. Der Partner versteht mich nicht. Die Kollegin ist schwierig. Die Familie macht Druck. Die Gesellschaft ist schuld. Die Umstände sind ungünstig. Selbstverständlich können andere Menschen uns verletzen, Grenzen überschreiten oder tatsächliches Unrecht verursachen. Und ja, dafür tragen sie ihre eigene Verantwortung. Und doch bleibt die Frage an mich:
Was mache ich jetzt mit dem, was ich erlebt habe?
Bleibe ich in meiner Verletzung stehen? Warte ich darauf, dass der andere Mensch endlich einsieht, was er getan hat? Oder beginne ich zu erkennen, welche Möglichkeiten ich selbst habe, mit der Situation
umzugehen?
Selbstverantwortung bedeutet für mich nicht, mich für alles verantwortlich zu fühlen. Sie bedeutet, die eigene Handlungsfähigkeit wieder wahrzunehmen. Deshalb spielt sie in meiner Arbeit eine so zentrale Rolle. Denn solange wir die Veränderung ausschliesslich von anderen erwarten, überlassen wir ihnen auch die Macht darüber, wann sich unser Leben verändern darf. Und das kann dauern ...
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Die sechste Plage – Die Gefangenschaft der Vergangenheit
Die Geschichte ist vorbei. Aber wir spielen sie weiter.
Wie oft wiederholen sich Themen und Situationen in unserem Leben? Immer wieder geraten wir an ähnliche Menschen. Immer wieder fühlen wir uns übergangen, verlassen oder nicht anerkannt. Immer wieder reagieren wir auf bestimmte Worte oder Verhaltensweisen besonders heftig. Dabei ist die gegenwärtige Situation möglicherweise gar nicht mit der früheren vergleichbar. Aber etwas in uns reagiert, als wäre sie es.
Unsere Erfahrungen prägen unsere Wahrnehmung. Was wir in der Kindheit gelernt, in Beziehungen erlebt oder über Generationen als selbstverständlich übernommen haben, kann unsere Entscheidungen ein Leben lang beeinflussen. Die Frage ist, ob wir das wollen …
In meiner Methode Owelà beschäftige ich mich deshalb mit der Herkunft solcher Muster und den persönlichen Auslösern, die ich Trigger nenne. Denn wir können ein Problem noch so oft im Aussen bekämpfen. Wenn wir das dahinterliegende Muster nicht erkennen, wechseln wir nur die Bühne, aber nicht das Stück.
Wir verlassen eine Situation, aber nehmen unsere ungelösten Themen mit. Und das auch in andere Länder 😉
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Die siebte Plage – Der Verlust des inneren Massstabes
Wenn wir nicht mehr unterscheiden können, was wirklich von uns kommt.
Für mich ist diese Plage besonders interessant, weil hier mehrere der vorherigen zusammenlaufen. Bedürfnisse, mentale Konzepte und Ego können gemeinsam etwas erschaffen, das wir für unsere eigene Wahrheit halten.
Ein Bedürfnis sagt: «Ich brauche das.»
Ein mentales Konzept erklärt: «So muss es sein.»
Und das Ego ergänzt: «Und ich habe recht!»
Eine ausgesprochen überzeugende kleine Versammlung. Aber, wie viel davon habe ich aus mir selbst entwickelt und/oder entschieden? Denn unser innerer Massstab ist die Essenz dessen, was wir in uns aufgenommen haben, um im Einklang mit uns zu entscheiden, was in unserem Leben Platz hat und was nicht.
Er entwickelt sich, wenn wir lernen, bewusst wahrzunehmen, zu unterscheiden und unsere eigenen Reaktionen zu hinterfragen. Ist das tatsächlich mein Empfinden und meine Meinung? Oder habe ich irgendwann eine fremde Wertung übernommen? Handle ich aus Klarheit oder aus Angst? Möchte ich etwas wirklich, oder glaube ich lediglich, es haben zu müssen? Was genau verteidige ich gerade, eine Erkenntnis oder bloss mein Selbstbild?
Wer seinen inneren Massstab verliert, kann sich hervorragend anpassen und dabei vollständig aus den Augen verlieren.
Genau darin sehe ich eine der grossen Herausforderungen unserer Zeit. Wir haben gelernt, Informationen zu sammeln, Meinungen zu vergleichen und uns ständig neu zu orientieren. Aber haben wir auch gelernt, uns selbst wahrzunehmen und zu vertrauen? Spürst du dich?
Und jetzt, was haben diese sieben Plagen miteinander zu tun?
Mehr, als uns möglicherweise lieb ist. Denn sie treten nicht ordentlich nacheinander auf, wie sieben Gäste, die brav an der Haustüre klingeln. Sie beeinflussen sich gegenseitig. Wir verlieren die Verbindung zu uns selbst und suchen Halt im Aussen. Unsere Bedürfnisse werden stärker, mentale Konzepte liefern die passenden Erklärungen, das Ego verteidigt sie, und wenn etwas schiefgeht, finden wir mit Sicherheit einen Schuldigen.
Alte Erfahrungen verstärken unsere Reaktionen, bis wir schliesslich nicht mehr unterscheiden können, was wir tatsächlich wahrnehmen und was wir lediglich wiederholen. Und schon beginnt das Ganze von vorne.
Dies sind meine Erkenntnisse, die ich aus meinen Beobachtungen, Erfahrungen und meinem energetischen Verständnis vom Menschen zusammengeführt habe.
Die Studien zeigen, dass viele Menschen unter Stress, Unsicherheit und fehlender Verbundenheit leiden. Finanzielle Schwierigkeiten, Krankheiten oder gesellschaftliche Ungerechtigkeiten verschwinden nicht einfach so. Aber sie nehmen uns auch nicht die Möglichkeit, unsere eigenen Muster zu erkennen.
An diesem Punkt beginnt für mich die eigentliche Arbeit am Bewusstsein. Nicht darin, immer mehr Wissen anzusammeln oder möglichst spirituell zu erscheinen. Sondern darin, zu erkennen, was uns
tatsächlich bewegt.
Solange wir unsere eigenen Muster nicht erkennen, werden wir ihnen immer wieder begegnen. In anderen Menschen, anderen Situationen und anderen Kleidern. Aber mit erstaunlich vertrautem Ausgang.
Und jetzt? Was mache ich damit? Mancher kann sich in diesem Moment überfordert fühlen. Aus meiner Sicht müssen wir nicht alles auf einmal lösen. Wenn dich dieses Thema interessiert und du etwas verändern willst, nimm als erstes wahr, dass etwas geschieht. Danach kannst du entscheiden, was es war und erst dann kommt die Phase der Veränderung.
Ich denke wieder an meinen Spaziergang mit Milou.
Während ich völlig fasziniert den tanzenden Blättern zusah, hatte ich tatsächlich für einen Moment alles um mich herum vergessen. Einschliesslich meines kleinen 4-Füssigen. Erst musste ich ihn aus den Augen verlieren, quasi wach werden, bevor meine Aufmerksamkeit wieder da war.
Zum Glück war Milou nicht weit weg. Aber wie weit entfernen wir uns manchmal von uns selbst, bevor wir bemerken, dass wir uns verloren haben? Wenn wir es denn überhaupt merken. Und wie oft braucht es erst eine Krise, eine Erschöpfung oder einen schmerzhaften Konflikt, bis wir bereit sind, genauer hinzusehen?
Die sieben Plagen des modernen Bewusstseins werden nicht dadurch verschwinden, dass wir sie noch weiter nach aussen drängen. Aber wir können aufhören, ihnen blind zu folgen. Und das wäre doch schon einmal ein ziemlich guter Anfang.
Von Herzen
Eure Zürcher Stadtdruidin
Bewusstsein bringt Energie in Fluss.
Kolumne #16 – November 2026
© Chantal Donia Houcke | www.chantal-donia.ch
Studien und Quellen
- American Psychological Association (APA), 2026
Stress in America 2026: The Stress of Uncertainty.
Veröffentlicht am 22. Oktober 2026. Onlinebefragung von 3'132 Erwachsenen in den USA, durchgeführt vom 29. Juli bis 24. August 2026 durch The Harris Poll im Auftrag der APA.
Erwähnte Ergebnisse: Lebenshaltungskosten (77 %), Geldsorgen (71 %), Zukunft des Landes (74 %), Rückzug aus gesellschaftlichen Aktivitäten (47 %), emotionale Erschöpfung (51 %) und wenig bis keine Kontrolle über die eigene Zukunft (28 %).
https://www.apa.org/pubs/reports/stress-in-america/2026
- American Psychological Association (APA), 2025
Stress in America 2025: A Crisis of Connection.
Erwähnte Ergebnisse: gesellschaftliche Spaltung als Stressquelle (62 %), Gefühle der Isolation (54 %), des Ausgeschlossenseins (50 %) und fehlender Gesellschaft (50 %).
https://www.apa.org/pubs/reports/stress-in-america/2025
- Gallup, 2026
State of the World's Emotional Health 2026. Internationale Erhebungen des Gallup World Poll, Ergebnisse für 2025.
Erwähnte Ergebnisse: starke Sorgen (38 %), Stress (36 %) und Traurigkeit (26 %) während eines grossen Teils des Vortags.
https://www.gallup.com/analytics/349280/gallup-global-emotions-report.aspx
Hinweis: Die genannten Studien untersuchen Belastungen, Emotionen und gesellschaftliche Entwicklungen. Die Einteilung in sieben Plagen ist meine eigene philosophische und energetische Betrachtung auf Grundlage meiner langjährigen Praxiserfahrung und meiner Arbeit mit Bewusstsein und Lebensenergie.