11 October 2026

Kolumne 13# – Es ist Herbst


ODER WAS DER HERBST MIT HERMES ZU TUN HAT ...


Die Abende werden länger, kühler und mittlerweile auch regnerischer. Die Dunkelheit nimmt sich wieder mehr Raum, während sich das Tageslicht langsam zurückzieht. Ein richtiger Herbst eben.

Beim Abendspaziergang mit Milou beobachte ich die bunten Blätter, die auf dem nassen Asphalt liegen. Im Schein der Strassenlampen leuchten sie in Gold, Rot und Braun. Fast so, als wollten sie vor ihrem endgültigen Abschied noch einmal richtig auf sich aufmerksam machen.

Schön ist das. Und es stimmt ein klein wenig melancholisch.


Die Tagundnachtgleiche liegt gerade hinter uns. Tag und Nacht waren für einen kurzen Moment im Gleichgewicht. Jetzt zieht sich die Natur langsam zurück, während wir Menschen wieder unsere Wohnungen, unsere warmen Stuben und hoffentlich auch ein bisschen unsere inneren Räume entdecken.

Aha … die inneren Räume und die äusseren Räume. Da war doch etwas!

...

Als erstes wandern die Gedanken zu meinem FÉO-System. An Herkunft, Körper, Organe, Fluss, Verbindung, Transformation, Erinnerung, Mitte und das Finden der Leere. Neun Wege, die auf den ersten Blick unterschiedliche Bereiche unseres Lebens beschreiben und doch miteinander verbunden sind. Wie immer ist es der Mensch, der im Mittelpunkt steht und somit als Verbindungsglied eingebunden ist.

Ich blicke auf …

Die Natur verabschiedet sich vom Sommer. Auch wir verabschieden uns immer wieder von Lebensphasen, Vorstellungen, Gewohnheiten und manchmal sogar von Menschen, die uns ein Stück unseres Weges begleitet haben. Wir erleben einen ständigen Wandel …

Und während Milou ausgiebig an einem besonders interessanten Blatt schnuppert, wandert mein Geist schon wieder weiter.

...

Hermes Trismegistos … wo kommt das jetzt her?

Von einem nassen Zürcher Trottoir direkt in die hermetische Philosophie? Es lebe die Freiheit meines Geistes. Und wenn wir schon beim Geist sind, sind wir auch nicht mehr weit vom Bewusstsein entfernt …

soso...*

Die Hermetik beschäftigt sich mit den Zusammenhängen zwischen Mensch, Natur und Kosmos. Die hermetische Philosophie reicht bis in die Antike zurück. Ihre heute bekannten sieben Prinzipien wurden 1908 im Kybalion als alte Weisheitslehren vorgestellt und wird bis heute immer wieder neu interpretiert.

Sieben Prinzipien, die zum Nachdenken einladen:

  1. Das Prinzip der Geistigkeit: Alles hat seinen Ursprung im Geist. Bewusstsein steht im Mittelpunkt der Betrachtung.
  2. Das Prinzip der Entsprechung: Wie oben, so unten. Wie innen, so aussen. Unterschiedliche Ebenen können vergleichbare Muster zeigen.
  3. Das Prinzip der Schwingung: Nichts ruht, alles ist in Bewegung.
  4. Das Prinzip der Polarität: Alles hat Gegensätze. Hell und dunkel, warm und kalt, Anfang und Ende.
  5. Das Prinzip des Rhythmus: Alles bewegt sich in Zyklen. Werden, Vergehen und Wiederkehren.
  6. Das Prinzip von Ursache und Wirkung: Was geschieht, steht in einem Zusammenhang mit dem, was vorausgegangen ist.
  7. Das Prinzip des Geschlechts: Schöpferische und empfangende Prinzipien wirken im hermetischen Weltbild zusammen.


Ich bleibe gedanklich beim zweiten Prinzip hängen. Wie innen, so aussen ...

Wenn ich die Räume um mich herum wahrnehme, was erzählt mir das über meine inneren Räume? Und wenn ich innerlich etwas verändere, wie weit verändert sich dann das Leben um mich herum?

Einschub … «Ist es meine Wahrnehmung oder die Welt selbst, die sich dann verändert?»

Auch das FÉO-System beschäftigt sich mit Zusammenhängen. Mit dem, was wir wahrnehmen, was wir mit uns herumtragen, was uns beeinflusst und was wir verändern können. Es ist kein hermetisches Lehrsystem. Doch in meiner Arbeit begegne ich immer wieder Zusammenhängen, die ich als Ausdruck universeller Gesetzmässigkeiten verstehe.

…

Und plötzlich sehe ich den Herbst mit anderen Augen.

Die Blätter fallen nicht, weil etwas falsch ist. Der Baum lässt seine Blätter los, weil er sie in der kommenden Phase nicht mehr benötigt. Wir Menschen hingegen halten manchmal erstaunlich lange an Dingen fest, deren Zeit längst abgelaufen ist. Nun ja … Bäume haben offenbar weniger Schwierigkeiten etwas loszulassen. Dafür philosophieren sie auch weniger über komplizierte Gedankengebäude …

Milou hat inzwischen seine Untersuchungen abgeschlossen und möchte weitergehen. Ich auch.

Der Sommer darf gehen. Die Erinnerung daran bleibt. Und der Herbst bringt seinen eigenen Raum, seinen eigenen Rhythmus und seine eigenen Möglichkeiten mit.


Bleibt für diese Woche bei mir eine Frage offen:

Könnte es sein, dass wir die Wandlung im Aussen viel leichter akzeptieren als die Wandlung in uns selbst? Und wenn ja warum?


Von Herzen eure Zürcher Stadtdruidin

Bewusstsein bringt Energie in Fluss.


Kolumne #13 - Oktober 2026

© Chantal Donia Houcke | chantal-donia.ch