10 August 2026

Kolumne #5 - Ohne Wahrheit geht es nicht

Oder warum du der-/diejenige bist, auf die du wartest ...


Aktuell stolpere ich immer wieder über das Wort Wahrheit. Wenn ich immer wieder auf etwas aufmerksam gemacht werde, beschliesse ich meist, mich tiefer damit zu befassen. Denn im Feld scheint es wichtig zu sein.

Was interessant ist: Das Thema hat aktuell etwas Beunruhigendes. Ich werde das Gefühl nicht los, dass da etwas unter der Oberfläche brodelt. Ich fand den Faden einfach nicht, von welchem Punkt aus meine Betrachtung startet … Ich hoffte auf Inspiration, wenn ich mir die Bedeutung näher betrachtete. Ich nahm ChatGPT zur Hilfe.


Was ist Wahrheit?

Wahrheit bezeichnet im klassischen Sinn die Übereinstimmung einer Aussage mit dem, was tatsächlich der Fall ist.

Philosophisch wird der Begriff allerdings unterschiedlich verstanden:

  • Objektive Wahrheit: Etwas ist wahr, unabhängig davon, was ein Mensch darüber denkt oder empfindet. „Wahr ist, was mit der Wirklichkeit übereinstimmt.“
  • Subjektive Wahrheit: Das, was ein Mensch aufgrund seiner Wahrnehmung und Erfahrung für wahr hält. Sie ist für ihn wirklich, muss aber nicht allgemeingültig sein.
  • Intersubjektive Wahrheit: Das, worauf sich Menschen aufgrund gemeinsamer Beobachtung, nachvollziehbarer Kriterien oder Übereinkunft verständigen.
  • Existenzielle Wahrheit: Wahrheit als etwas, das nicht nur gewusst, sondern innerlich erkannt und gelebt wird – etwa die Wahrheit über sich selbst.


Ein wichtiger Unterschied ist deshalb:

Wahrnehmung ist nicht automatisch Wahrheit.

Wir nehmen Wirklichkeit durch unsere Erfahrungen, Erwartungen, Gefühle und Überzeugungen wahr. Was wir für wahr halten, kann also eine Interpretation dessen sein, was ist.


Sehr knapp könnte man es so formulieren:

Wahrheit ist das, was ist, unabhängig davon, was wir darüber glauben.


Oje, das wirft bei mir nun viel mehr Fragen auf, als ich hier in diesem Artikel verarbeiten kann.


Nun gut, rollen wir das Thema vom Ende her auf. Auf dem Sterbebett kommt es nicht selten vor, dass ein Mensch noch den unbedingten Wunsch hat, die Wahrheit auszusprechen. Ansonsten findet er einfach keine Ruhe.

Themen, die er/sie ein Leben lang verborgen und versteckt hat, müssen noch ausgesprochen werden. Andere Menschen suchen ein Leben lang nach einer Wahrheit, weil sie spüren, dass sich da eine Lösung verbirgt, für sie ganz persönlich. Es geht oft darum, abschliessen zu können. Und wieder anderen ist es wichtig, IMMER die Wahrheit zu sagen. Wann und wo auch immer. Wahrheit ist Klartext und für sie die unbedingte Voraussetzung.

Und nicht zu vergessen ein Sprichwort, das wir alle kennen: „Kindermund tut Wahrheit kund.“ Welche Eltern kamen nicht schon in Verlegenheit …?

Was verbindet sie alle? Oder sollte ich fragen: Was macht die Wahrheit so schwierig? Denn scheinbar ist sie nicht immer und überall anzutreffen.

Wenn diejenigen, die gerade quasi auf dieser Erde gelandet sind (Kinder), und diejenigen, die gerade am Gehen sind (Sterbende), so viel Wahrheit sagen MÜSSEN, sie können nicht anders: Was passiert da zwischen diesen beiden Phasen?


Ich analysiere:

Fernsehen – Werbung: Lügen, Geschichten erfunden, ‘wahre Geschichten’ abgeändert, oft bis zur Unkenntlichkeit, jeder Lebenslauf von Stars und Sternchen ist geschönt und verändert usw.

Wirtschaft – Oje … Es wird gepokert, Geschichten erzählt, noch mehr Geschichten. Diejenigen, die ‘pokern’, lassen andere ihre Arbeit und manche viel Geld verlieren, regelmässig und überall … alle wissen es und alle machen mit.

Politik – es wird nicht besser …

Ich hätte da noch mehr Themen …


Was für mich persönlich unklar ist: Wir alle, die mitten in dieser mittleren Phase stecken, erliegen wir der subjektiven Wahrheit oder der intersubjektiven? Warum muss um Wahrheit immer gekämpft werden? Und genau an dieser Stelle wird der Begriff für das Thema Bewusstsein interessant: Je bewusster wir unsere eigenen Filter erkennen, desto eher können wir zwischen „Das empfinde ich als wahr“ und „Das ist tatsächlich der Fall“ unterscheiden.

Ich komme zurück an den Anfang. Das Feld brodelt, hält sich aber noch bedeckt. Man merkt, da stimmt im Moment etwas nicht. Stimmen hier, Zwischenrufe dort, aber wir scheinen noch nicht so weit, uns exponieren zu wollen.

Bewusstsein, Wahrnehmung und eigene innere Ordnung sind die Werte, die diesen globalen entwicklungsprozess begleiten. Denn Bewusstwerdung bedeutet in diesem Zusammenhang nicht, eine neue Wahrheit zu erschaffen, sondern zunächst zu erkennen, welche Vorstellungen wir bisher für Wahrheit gehalten haben.

Was davon ist wirklich wahr und was habe ich irgendwann gelernt, für wahr zu halten?

Kann es sein, dass wir gar nicht auf jemanden warten, sondern vielmehr hoffen, dass wir uns endlich selbst glauben? Und nur vielleicht sind wir deshalb genau diejenigen, auf die wir gewartet haben … ?


Impulse der Stadtdruidin

Kolumne #5 · August 2026

© Chantal Donia Houcke | chantal-donia.ch