6 July 2026

Kolumne #1 - Von Wortfindungsstörungen und anderen Merkwürdigkeiten

Es scheint fast verhext zu sein in dieser Zeit. Man versucht, jemandem etwas zu erklären, und plötzlich

ist das Wort weg. Dann heisst es nur noch: „Dings …“ oder „Wie heisst das noch?“ Wenn das nur mir so gehen würde, könnte ich ja sagen: Oke Chantal, jetzt schläfst du einfach einmal etwas mehr oder nimmst etwas für die Konzentration. Vitamin D oder besser C ... ?

Aber nein. Irgendwie scheint es im Moment vielen Menschen so zu gehen.

Neulich sass ich mit einer Klientin zusammen. Wir mussten beide lachen, weil wir mitten im Gespräch

gleichzeitig nach einem ganz gewöhnlichen Wort suchten. Jeder von uns wusste genau, was gemeint war. Nur das Wort wollte einfach nicht auftauchen. Es schien, als hätte es sich kurz verabschiedet.

Komisch eigentlich. Vor ein paar Jahren hätte ich so etwas wahrscheinlich einfach auf Stress geschoben. Heute schaue ich etwas genauer hin. Ich arbeite mit meinen Messmethoden und sehe nach. Aha ... Erschöpfung. Wenig Lebensenergie. Spannend.

Bei erstaunlich vielen Menschen ist die Energie im Keller. Nicht unbedingt körperlich. Viele funktionieren ja noch erstaunlich gut. Aber irgendwo scheint der Tank ziemlich leer geworden zu sein.

Und dann stellt sich mir automatisch die nächste Frage. Woher soll eigentlich neue Energie kommen, wenn

wir den ganzen Tag damit beschäftigt sind, das Alte festzuhalten?

Gedanken, Sorgen, Erwartungen, Alte Geschichten, Alte Verletzungen, Alte Rollen … Manchmal schleppen wir mehr Vergangenheit mit uns herum als Gegenwart.

Wie immer bin ich neugierig und messe nach: Genau das ist einer der Gründe, warum sich so viele Menschen im Moment müde fühlen. Ich höre jemanden sagen: «Alles wird immer komplizierter!»

Nein, in meiner Wahrnehmung sind wir einfach unwillig, alten Ballast loszulassen. Es sind unsere liebgewonnenen Gewohnheiten. Gott bewahre, dass es uns von hier auf jetzt gut gehen könnte. Und Ballast trägt sich bekanntlich nicht von allein.

So einfach es klingt: Altes loszulassen ist ein wichtiger Schlüssel.

Keine Anhaftung mehr, kein Müssen, Kein ständiges Festhalten. Das ist leichter gesagt als getan, mir ist

bewusst, dass es sich für viele als komplizierter Vorgang darstellt.

Ich komme zu meinem Leitsatz zurück: Bewusstsein bringt Energie in fluss! So ist es.

Eigentlich müssen wir keine Energie suchen. Es genügt keine mehr zu verlieren. Die Frage bleibt deshalb dieselbe wie so oft:

Was gehört wirklich zu mir?


Impulse der Stadtdruidin

Kolumne #1 · Juli 2026

© Chantal Donia Houcke | chantal-donia.ch