Wir sehen mehr. Wir hören mehr. Wir erwachen langsam. Schritt für Schritt wird unser Blick klarer.
Das sind die Eindrücke, die ich bekomme, wenn ich mit Milou durch Zürich laufe. Die Impulse sind da. Ich setzte mich und sehe zu, was stimmt noch nicht?
Ich ‘höre’ in die äussere Bewegung von dem, was ich um mich sehe. Die Antwort überrascht mich. Es ist fast nur die äussere Bewegung, die da ist.
Ich nehme meine Messmethode zur Hand und sehe nach. Sie bestätigt, was ich wahrgenommen habe. Nur etwa 20 Prozent der Menschen sind zurzeit auch innerlich in Bewegung.
Das fasziniert mich. Äusserliche Bewegung ersetzt innere Entwicklung nicht. Die Zeit ist jetzt da, umzusetzen, was wir gesehen, gehört und wahrgenommen haben. Und trotzdem ist da ein Zögern, scheinbar trauen sich viele noch nicht. Sie trauen ihrer eigenen Wahrnehmung nicht.
Daraus entsteht eine weitaus wichtigere Frage: Was benötigt es, damit wir uns selbst glauben? Eine Frage, die Welten bewegen kann. Was festigt unsere Wahrnehmung so, dass wir diese für ‘wahr’ nehmen? Wann wird aus einer Ahnung Gewissheit?
Wir lernen ständig zu verzichten, weniger Kalorien, weniger Zeit, weniger Besitz … Wo lernen wir aus- und anzufüllen? Zum Beispiel mehr innere Ruhe, mehr Vertrauen, mehr Wahrheit? Wo finden wir das?
Milou und ich haben uns wieder in Gang gesetzt, von der Innenstadt Richtung See. Die Strassenschluchten öffnen sich langsam und vor uns liegt der Zürichsee lang und offen, in seiner ruhigen majestätischen Art. Viele kleine Segelboote und ein paar grosse Zürich Schiffe sind bei diesem schönen Wetter unterwegs.
Menschen flanieren dem Ufer entlang, holen sich ein Eis, setzen sich, reden, lachen … Das Seeufer ist Zürichs grosses Sammelbecken. Hier trifft alles aufeinander, es ist laut, es ist rastlos und bunt.
Ich spüre, da ist gerade nicht genügend Ruhe, um in die innere Wahrheit zu tauchen. Wir ändern die Richtung und verlassen das Seeufer Richtung Enge, über den Hügel Richtung Sihl. Es wird ruhiger.
Wir nehmen den Weg dem Fluss entlang. Vor uns liegt die Allmend. Eine Begegnung, er erzählt mir aufgeregt, dass das ausgewiesene Hundegebiet möglicherweise für ‘Hündeler’ eingeschränkt werden soll.
Nach einem kurzen angeregten Gespräch verabschieden wir uns und gehen weiter, Richtung Wald. Der Zürcher Hausberg prangt vor uns mit der Aufforderung seinen Wegen zu folgen. Wir nehmen die Einladung an.
Mit jedem Schritt verschwindet etwas von der Unruhe der Stadt, es wird kühler, es wird ruhiger. Wir begegnen immer weniger Menschen. Milou verschwindet für einen Moment auf einem schmalen Waldweg, einer Duftspur folgend. Wir kommen auf einen kleinen freien Platz rundherum und über uns vom Blättermeer geschützt.
Milou trinkt aus einem Rinnsal. Ich atme auf … zum ersten Mal heute höre ich mich wieder. Ich gehe zu einem Baum, halte ihn mit beiden Händen und atme über die Füsse die Kraft des Bodens ein und über die Hände am Baum wieder aus. Klassisches Qigong.
Meine innere Stimme wird wieder lauter. Ich höre sie wieder. Sie spricht wieder mit mir. Ein paar tiefe Atemzüge, mein Lächeln kehrt zurück ich fühle mich wieder wohl.
Interessant: Der Moment war wohl gekommen zu erkennen, wann unser Inneres den Trubel der Welt tragen kann und wann es die Stille des Waldes braucht. Denn nur wenn wir mit uns selbst verbunden bleiben, finden wir die Kraft, auch wirklich in Bewegung zu kommen. Im Aussen wie auch im Innen, dort wo jede Veränderung beginnt.
"Jede Veränderung beginnt in dem Moment, wo wir den Mut finden, unserer eigenen Wahrnehmung mehr zu vertrauen als der Lautstärke der Welt."
Ich glaube, für heute habe ich gefunden, wonach ich gesucht habe …
Impulse der Stadtdruidin
Kolumne #4 · August 2026
© Chantal Donia Houcke | chantal-donia.ch