18 August 2026

Kolumne #7 - Habe ich irgendwo unterschrieben, brav zu sein …?


Huch … Und plötzlich ist mein Schritt im ‘Chrüzli-Schritt’ (Kreuzchen-Schritt). Bin ich froh, dass meine Freundin mich zur Bushaltestelle gebracht hat. Ich schaue auf die Uhr, es ist fast 01:00 Uhr morgens.

Mir fällt zum ersten Mal auf, wie lange es schon her ist, dass ich so spät unterwegs war. Früher, heisst VOR der Zeit vor 6–7 Jahren, war das noch normal. Man traf sich mit Freunden, man hatte Spass und man kam dann nach Hause, wenn es vorbei war. Es hat sich etwas fundamental geändert …

Der Bus kommt, ich bin so gelassen und KANN geradeaus laufen … ups … ich sitze wieder. Es war wunderbar, wir hatten ein sehr gutes Essen, ein paar Gläser Wein, dann einen Absacker in einer Bar. Die Gespräche sind einfach nicht langweilig mit bewussten, klaren Menschen. Ich freue mich … es ist so lange her …

Ein Drink, zwei Drinks, drei Drinks … vielleicht zu lange her … muss wohl gut für die Gesundheit sein …


Und da ist er, der Gedanke: Darf ich das als gelabelte Zürcher Stadtdruidin? Darf man das als gesetzte, reife Persönlichkeit?


Ich komme nach Hause, zum Glück. Es war fast ein wenig anstrengend … und der Kleine ist da und freut sich. Normalerweise nehme ich ihn immer mit. Aber heute war ihm zu heiss. Er wollte zu Hause bleiben. Ich habe ein klein wenig ein schlechtes Gewissen. Ich ziehe ihm sein kleines Geschirr an und gehe noch einmal mit ihm eine kleine Gassi-Runde.

Uups … Im ‘Chrüzli-Schritt’ vorwärts und wieder nach Hause. Alles gut und ich hoffe, morgen früh ein wenig schlafen zu können.

Ich bin zu Hause, kann mich ausruhen und der Gedanke lässt mir keine Ruhe. Darf ich das? In meinem ‘Reifegrad’ und unter dem Umstand, hier seriös auftreten zu müssen, vor der Welt …?

Nach ein bisschen Grübeln fällt mir ein, was früher immer meine ‘Parole’ war: Habe ich irgendwo unterschrieben? Der Gedanke fühlt sich gut an. Ich kann loslassen.

Warum stecken wir Menschen ständig in Schubladen, die schlussendlich nicht existieren? Warum muss jemand so sein, wie ich es mir vorstelle oder eben nicht? Eine wirklich interessante Frage. Was passiert, wenn wir unsere mentalen Konzepte einfach alle fallen lassen und einfach sind, wer oder was wir sind.

Das kenne ich gut, mein Leben lang: WAS, du hörst diese Musik? WAS, dich interessiert DAS? WIE, du machst DAS?

Die Frage müsste doch viel eher lauten: WAS bringt dich dazu, diese Vorstellung von mir zu haben …

Am Ende des Tages bleibt nur eine Sache zu klären:

Wo habe ich unterschrieben, so zu sein, wie irgendjemand anderes es sich vorstellt …?

Frage Nummer zwei: Wie werde ich zu dem, was ich wirklich bin? Jemand mit Spass im Leben, der sich frei fühlt und einfach den Moment geniesst.


Von Herzen

Impulse der Stadtdruidin


Kolumne #7 - August 2026

© Chantal Donia Houcke | chantal-donia.ch