ODER WAS SIE MIT MIR MACHT …
Die Ferien sind vorbei, die Tage haben wieder ihr schnelles Tempo aufgenommen und ziehen an mir Vorbei. Manchmal bin ich mehr drin, manchmal weniger … das kennen wir wohl alle.
Ich versuche, den Rhythmus der Stadt wieder aufzufangen, und merke, dass es mir schwerfällt. Während ich so in mich hinein sinniere, merke ich, wie meine Aufmerksamkeit immer wieder zu den Tagen vor der Abfahrt zurückwandert.
Mir wird bewusst, dass zwischen den Tagen davor und danach eine Lücke ist. Es fand Entwicklung statt hier in der Stadt. Diese fehlt mir, und ich bleibe am Alten hängen. Und mit dem Alten tauche ich nicht richtig ein ins Neue.
Jetzt habe ich’s … ich benötige einen kleinen Reset, eine kleine Neuaufschaltung, um ins „echte Hier und Jetzt“, in die aktuelle Situation, ohne Vorbehalte eintauchen zu können.
Gemacht, getan und neu aufgesetzt 😊 … ja, der Unterschied ist spürbar.
…
Die Arbeit mit dem Bewusstsein ist unendlich faszinierend. Während ich mich vor den Computer setze, um meine Erkenntnisse für euch aufzusetzen, fällt mir auf, dass sich bei mir zwei neue Erkenntnisse breitmachen. Und ich merke, dass das Ende noch gar nicht absehbar ist …
Zum einen die Klarheit darüber, dass Erinnerungen einen mehr aufhalten als weiterbringen können. Sie halten mich in einer Situation des NICHT-Aufnehmen-Könnens. Wenn ich energetisch und gedanklich an einem anderen Ort bin als jenem, an dem ich mich hier und jetzt wirklich befinde, trete ich auf der Stelle. Es fliesst nicht.
Mir fällt auf, dass auch ich immer wieder die Kraft des Unterschwelligen, der unteren Schichten der Erinnerung, unterschätze. Es müssen nicht einmal klare Worte oder Bilder sein.
Entscheidungen auf dieser Basis zu treffen oder den Faden für was auch immer aufzunehmen, um etwas zu erreichen, erscheint mir aus dieser Sichtweise fast schon bedrohlich. Auf jeden Fall aber in einem Zustand, der es mir nicht erlauben würde, diesen Weg frei zu gehen.
Nun gut, ich verfüge über das Wissen und die Technik, jede Art der Anhaftung zu wandeln. Ich bin dankbar und frei.
Ein kleiner Einwurf von der Seite: Ich kenne Erzählungen von Angehörigen über Menschen, deren Kurzzeitgedächtnis zunehmend verschwindet, während Erinnerungen aus ihrer Jugend erstaunlich lebendig bleiben. Manche beschreiben dabei Momente grosser Zufriedenheit, beinahe eines Angekommenseins. Das bringt mich ins Nachdenken: Was geschieht eigentlich mit unserem Erleben, wenn das Gestern seine Macht über das Jetzt verliert?
(Klammer zu.)
So, und jetzt zur zweiten Erkenntnis. Und diese wiegt schwer, manche ein paar Tonnen … ich hab’s nicht so mit den leichtgewichtigen Dingen 😊
Meine Gedanken gehen zurück zu diesen Räumen der Megalithen und wie ich mich fühlte, als ich wieder aus diesen niedrigen Gängen der Tumuli herauskam. Und immer noch hat niemand eine echte Ahnung, wer, wie und vor allem warum es sie gibt.
Vor meinen inneren Augen spielt sich ein spannendes Szenario ab:
Was, wenn Menschen fliehen mussten? Vor Krieg, vor Katastrophen oder aus ganz anderen Gründen. Zeit vergeht und irgendwann kehren sie zurück. Vielleicht sind schon zwei Generationen oder mehr vergangen …?
Durch die Tatsache der persönlichen Verschiebung war der Fokus ein anderer. Von irgendetwas musste man ja leben. Pflanzen, Tiere usw.
Sie kamen zurück, weil ihr Unterbewusstsein, ihre innere Erinnerung, sie wieder dorthin zurückbrachte, wo sie herkamen. Zwei Generationen im Überlebenskampf könnten reichen, um entwickelte Techniken zu vergessen. Es könnte schon eine Generation auf der Flucht reichen, um zu vergessen …
Aus Gesprächen weiss ich, dass man einfach nur dankbar ist für Ruhe und Nahrung.
Sie finden riesige Steine, die nur noch in ihrer Erinnerung existierten, und keiner erinnert sich mehr, wie sie dorthin kamen. Mit viel Mühe werden einige bewegt, andere zerbrochen. Die Zeiten sind jetzt andere. Und weil es niemand mehr kann, entstehen Mythen von grossen Führern und Riesen und allerlei mehr.
Der Aufenthalt in der Nähe fühlt sich gut an, weil es irgendwie zu ihnen gehört.
Und leise schleicht sich ein Gedanke ein:
Wie oft kam das schon vor in unserer Kultur?
Und jede Kultur, die ihre Erinnerung verliert, ist eine verlorene.
Bleibt für mich eine grosse Frage übrig:
Die Erinnerung an meine Kultur ist wichtig. Sie vermittelt mir Werte, Grundstrukturen und Energieressourcen. Das Anhaften am Gestern, Vorgestern usw. kann mir genau diese aber wieder nehmen.
Erinnern ist nicht dasselbe wie anhaften.
Das eine kann mir Herkunft geben. Das andere kann verhindern, dass ich dort bin, wo mein Leben gerade stattfindet. Wie ich mich ganz persönlich damit einrichte, bleibt mir überlassen. Nun gut, meinen Weg habe ich gefunden und vermittle ihn auch gerne.
Und damit bleibt für diese Woche die Frage:
Welche Erinnerung trägt dich und welche hält dich noch dort fest, wo du längst nicht mehr bist?
Von Herzen eure Zürcher Stadtdruidin
Bewusstsein bringt Energie in Fluss.
Impulse der Stadtdruidin
Kolumne #12 - Oktober 2026
© Chantal Donia Houcke | chantal-donia.ch