8 August 2026

Bedürfnisse – Mentale Konzepte – Ego

OBER WIE ICH DIE NASE ÜBER DIE WOLKEN BRACHTE


In der letzten Woche durfte ich eines dieser Gespräche führen, die einen herausfordern. Ein Gespräch, das mich traf, weil ich merkte, dass ich zwar vieles erkannt, aber an ein paar Orten noch nicht zu Ende gedacht hatte. Ein sehr lehrreicher Moment, das schätze ich. Diese Momente zwingen uns, tiefer zu schauen und das eigene Bild zu prüfen.

Wer mein Buch kennt, weiss, dass sich vieles darin um Selbstbestimmung, Bewusstsein und Lebensenergie dreht. Rückblickend würde ich jetzt drei Themen deutlicher beschreiben:

Bedürfnisse, mentale Konzepte und das Ego.

Je länger ich damit arbeite, desto klarer wird mir, dass diese drei fast nie getrennt auftreten. Sie bilden ein Triumvirat. Ein Dreiergespann, das sich gegenseitig nährt und zugleich ständig mit sich selbst im Konflikt steht. Der Begriff stammt aus dem Römischen Reich und beschreibt ursprünglich eine Dreierherrschaft. Genau dieses Bild passt für mich erstaunlich gut.

Im Gespräch oder während der Behandlungen höre ich meistens den Einwand: «Aber wir haben doch Bedürfnisse. Wir müssen essen, trinken und schlafen.» Natürlich müssen wir das. Der Körper lebt nach seinen natürlichen Gesetzmässigkeiten.

Mich interessiert etwas anderes. Bitte lasst nachfolgende Fragen auf euch wirken:

  • Was passiert mit der Information Essen, Trinken Schlafen, wenn wir das Konzept Bedürfnis weglassen?
  • Worte sind Schwingung, siehst du das auch so?
  • Beinhaltet das Wort Bedürfnis auch bei dir Bedürftig?
  • Was passiert in mir, wenn ich meinem Gegenüber glaube? Nämlich, dass ich ein Bedürfnis habe?
  • Was ist deiner Meinung nach ‘Mangel’?
  • Wie fühlt Mangel sich an?

Mich interessiert der Moment, in dem aus einem natürlichen Vorgang eine innere Abhängigkeit von aussen wird. Der Moment, in dem unser innerer Frieden davon abhängt, ob etwas oder jemand uns die Erlaubnis gibt. Das ist der Moment des eigentlichen Verlustes der inneren Macht und somit automatisch die Vergabe von Lebensenergie.

Ich sehe den Menschen als selbstbestimmtes Seelenwesen. Ein Wesen, das ursprünglich weder getrennt von sich selbst noch von der Quelle war. Denken und Fühlen bildeten eine Einheit. Im Laufe unseres Lebens entstehen schnell Bewertungen, Regeln, Ängste, fremde Identitäten und Rollen. Daraus entwickelt sich ein System, das sich schliesslich selbst aufrechterhält.

In meiner praktischen Arbeit verwende ich unter anderem den Pendel nicht als Ersatz für eigenes Denken, sondern als Instrument der Bewusstwerdung. Er hilft mir, innere Zusammenhänge sichtbar zu machen und Wahrnehmungen sichtbar zu überprüfen. Über viele Jahre zeigte sich dabei immer wieder dieselbe Struktur.


Bedürftigkeit führt erstaunlich häufig in die Opferrolle. Das Gefühl, etwas zu brauchen, nicht zu genügen oder von äusseren Umständen abhängig zu sein, erzeugt Ohnmacht und Mangel.

Mentale Konzepte führen ebenso häufig in die Helferrolle. Vorstellungen darüber, wie etwas richtig sein müsste, wie andere handeln sollten oder was der einzig richtige Weg sei, erzeugen Kontrolle, Bewertungen und Widerstand.

Das Ego wiederum zeigt sich dort, wo Kontrolle, Schuldzuweisung und das Bedürfnis entstehen, Recht zu behalten oder sich durchzusetzen. Aus meiner Sicht entspricht dies der Täterrolle.


Genau deshalb habe ich das klassische Karpman-Drama-Dreieck für mich erweitert. Nicht, um das ursprüngliche Modell zu ersetzen, sondern um sichtbar zu machen, welche inneren Kräfte die drei Rollen immer wieder aufrechterhalten.

Mit der Zeit fiel mir noch etwas auf. Alle drei Bereiche erzeugen Widerstand. Und jeder Widerstand kostet Lebensenergie.

Das Leben arbeitet nicht gegen uns. Wir sind es, die mit unserer Aufmerksamkeit ständig am wandern sind und leider oft für uns Bedingungen erschaffen die uns den Alltag erschweren:

  • Erinnerungen
  • Anhaftung
  • Erwartungen
  • Übernommene Vorstellungen
  • Ängste
  • Bilder, wie etwas sein sollte


Kampf kostet kraft und so begann ich bewusst loszulassen. Tag für Tag. Mit Bewusstseinsarbeit, Meditation, Pendelarbeit und einer immer tieferen Auseinandersetzung mit dem, was ich in meinem Buch den Weg zurück zur Selbstbestimmung nenne.

Irgendwann bemerkte ich etwas Überraschendes. Ich hatte das Gefühl, als würde ich bildlich gesprochen mit der Nase über den Wolken sein.

Eine tiefe innere Ruhe kehrte ein, mein Herzfeld liess sich leichter öffnen. Fremdenergie erkannte ich viel schneller, auch was nicht meins war. Zum ersten Mal blieb meine Lebensenergie auf dem Maximum.

Das war der Moment an dem ich meine Kraft spürte und meine Macht zurückkam.

Das Drama-Dreieck ist nun überwunden. Das Leben ist trotzdem eine Herausforderung. Was sich geändert hat sind die Abläufe der inneren Mechanismen. Ich bin nun in der Lage zu bestimmen. Für mich ist dies Ausdruck eines selbstbestimmten Seelenwesens, das die Verantwortung für sein Bewusstsein und seine Lebensenergie wieder übernommen hat.


Freiheit entsteht dort, wo wir uns entscheiden, Abhängigkeiten und Erinnerungen loszulassen. So beginnt Selbstbestimmung. Und genau dort kann Lebensenergie wieder frei fliessen.


Ergänzung:

Ego und Ich-Haftigkeit

Das Ego und die Ich-Haftigkeit verwende ich bewusst nicht als Synonyme.

Das Ego beschreibt für mich die sichtbaren Strategien von Kontrolle, Abgrenzung, Verteidigung und Schuldzuweisung.

Die Ich-Haftigkeit reicht tiefer. Sie beschreibt die Identifikation mit unserem Selbstbild, unseren Geschichten und unseren Rollen. Solange wir glauben, diese Rollen zu sein, halten wir das Drama selbst aufrecht. Löst sich diese Identifikation allmählich auf, entsteht jener innere Raum, in dem Selbstbestimmung überhaupt erst möglich wird.


Bewusstsein bringt Energie in Fluss. 🌿

© Chantal Donia Houcke - Die Zürcher Stadtdruidin